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Mittwoch, 29.03.2017
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Strategien für beschleunigten Kohleausstieg

Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Im Pariser Klimaabkommen haben sich die Staaten verpflichtet, den Temperaturanstieg durch den Klimawandel auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Um dieses Ziel einzuhalten, hat der Weltklimarat IPCC berechnet, dass ab 2015 weltweit nur noch rund 890 Milliarden Tonnen klimaschädliche Kohlendioxidemissionen ausgestoßen werden dürfen. Das Öko-Institut und die Prognos AG haben nun im Auftrag des WWF Deutschland erstmalig berechnet, wie ein fairer Anteil Deutschlands an diesem globalen Emissionsbudget ermittelt werden kann und was dies für die Emissionsminderungsstrategien des deutschen Stromsektors bedeutet.
Für Deutschland steht demzufolge ab 2015 ein CO2-Emissionsbudget von maximal zehn Milliarden Tonnen zur Verfügung; der deutsche Stromsektor darf ab 2015 nur noch rund vier Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre freisetzen. Die Studie „Stromsystem 2035+“ zeigt, dass der beschleunigte Ausstieg aus der Stromerzeugung durch Kohle ein zentrales Element zur Einhaltung dieses Ziels bildet.

Stilllegung der Kohlekraftwerke ist Schlüssel


Das Forschungsteam berechnete dafür unterschiedliche Optionen für das Auslaufen der Stromerzeugung aus Kohle und den Ausbau der erneuerbaren Energien. Das entwickelte Transformationsszenario beschreibt, wie die klimaschutzpolitischen Erfordernisse umgesetzt, Übergänge ohne Brüche gestaltet und die Versorgungssicherheit gewährleistet werden können. Dafür müssen ab 2019 alle alten, mehr als 30 Jahre betrieben Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Bis 2035 sollte die Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle komplett durch klimafreundlichere Erzeugungskapazitäten ersetzt werden. Das können der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere Wind- und Solaranlagen, sowie für einen Übergangszeitraum Erdgaskraftwerke abdecken.

„Für die Umsetzung dieser Strategie ist eine Mischung von Kapazitäts- und Emissionsmanagement, also dem gesteuerte Abbau von Kohlekraftwerkskapazitäten und einer Obergrenze für die Treibhausgasemissionen ab einem bestimmten Lebensalter der Anlagen nötig“, fordert Dr. Felix Matthes, Forschungskoordinator Energie & Klimapolitik und Projektleiter der Studie am Öko-Institut. „Konkret bedeutet das, dass Kohlekraftwerke einerseits nicht länger als 30 Jahre betrieben werden dürfen. Und dass sie ab dem 21. Betriebsjahr jährlich nicht mehr als maximal 3,35 Tonnen CO2 je Kilowatt Kraftwerksleistung emittieren dürfen. Dies kann ordnungsrechtlich vorgegeben, über einen zusätzlichen Preis auf CO2-Emissionen erreicht oder vertraglich mit den Kraftwerksbetreibern vereinbart werden.“

Zugleich braucht es aus Sicht der Studienersteller einen deutlich verstärkten Ausbau der erneuerbare Energien und Investitionen in den Strukturwandel insbesondere für die Regionen, in denen heute Kohlekraftwerke und Braunkohletagebaue betrieben werden. Nur so könne die Anpassung an eine klimafreundliche Stromproduktion verträglich gestaltet werden.

Exporte verringern, Braunkohleförderung stoppen


Wichtig für den Kohleausstieg, so die Expertinnen und Experten, sei der Abbau der hohen Exportüberschüsse Deutschlands aus der CO2-intensiven Stromerzeugung. Diese waren die seit der Jahrtausendwende massiv angestiegen, da die Betriebs- und Brennstoffkosten für die Stromerzeugung aus Kohle besonders niedrig waren. Im Jahr 2015 erreichten die Stromexporte einen Höchstwert von 52 Terawattstunden (TWh), was knapp neun Prozent des Bruttoinlandsverbrauchs an Strom entspricht.

Zudem ergeben die Analysen, dass die Braunkohleförderung deutlich verringert werden kann, da künftig deutlich weniger Mengen benötigt würden. Ausstehende Genehmigungsverfahren für die Erweiterung von Tagebauen sollten gestoppt werden, bis der Ausstieg aus der Kohle als Energielieferant politisch geklärt ist. Der der Rückbau und die Renaturierung von Tagebauflächen solle finanziell durch die Verursacher, also die Energiewirtschaft, abgesichert werden.

Hintergrund: Struktur und Klimawirkung der Stromerzeugung aus Kohle


Der Anteil der Treibhausgasemissionen des Stromsektors an den gesamten deutschen Emissionen macht derzeit 37 Prozent aus. Die deutschen Braun- und Steinkohlekraftwerke verursachen aktuell gut 80 Prozent der gesamten CO2-Emissionen des Stromsektors (48 Prozent Braunkohle- sowie 33 Prozent Steinkohleverstromung). Die deutschen Braun- und Steinkohlekraftwerke bestehen zu erheblichen Anteilen aus alten, bereits refinanzierten Anlagen mit besonders hohen Emissionswerten, die bis 1990 in Betrieb genommen worden sind. So sind 48 Prozent der Braunkohlekraftwerke und 51 Prozent der in Steinkohlekraftwerken heute schon älter als 25 Jahre.
(Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie, 17.01.2017 - NPO)
 
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