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Freitag, 20.01.2017
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Erektionsstörungen: Das Tabuproblem der Männer

Andrologie

Erektionsstörungen betreffen laut der Studie „Cologne Male Survey“ jeden fünften Mann zwischen 30 und 80 Jahren. Die Analyse ist inzwischen über 15 Jahre alt – und doch wird nur selten über das Thema gesprochen.
Wie spricht man über ein Thema wie Impotenz? Viele Männer schweigen – und das ist ein großes Problem. Allein in Deutschland sind Millionen betroffen. Wie viele genau unter Erektionsstörungen leiden, kann aus diesem Grund nur geschätzt werden.

Dass Impotenz eine ärztliche Behandlung erfordert, muss nicht betont werden. Doch wenn die Betroffenen nicht über ihr Problem reden, kann keine Lösung gefunden werden. Je länger sie alleine mit der Erektionsstörung kämpfen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Psyche darunter leidet.

Es ist weniger verwunderlich, dass Männer nicht über Erektionsstörungen reden möchten. Der ideale Mann denkt schließlich alle 30 Sekunden an Sex, heißt es in Statistiken. Er soll immer Lust auf ein Abenteuer haben und bereit sein, im Bett aktiv zu werden. Wer nicht zu diesem Idealbild passt, zweifelt an seiner Männlichkeit.

Das Heilmittel vieler Betroffenen ist das Potenzmittel Viagra. Jedes Jahr verdient die Pharmaindustrie Milliarden an dem Geschäft. Schätzungen zufolge soll jeder achte Mann bereits zur blauen Pille gegriffen haben. Doch sie ist nicht ohne Nebenwirkungen: Die Einnahme von Viagra kann, wie bei jedem anderen Mittel auch, Probleme verursachen. Wie hier zu lesen ist, sind sie besonders groß, wenn das Potenzmittel zusätzlich mit Alkohol kombiniert wird. Eine langfristige Lösung ist Viagra ohnehin nicht, schließlich behandelt sie keine Erektionsstörung.

Leistungsdruck als Auslöser für Erektionsstörungen


In dem Dokumentarfilm Die Viagra-Tagebücher von Chiara Sambuchi wird Leistungsdruck als einer der Hauptfaktoren genannt, der bei ansonsten gesunden Männern zu Erektionsstörungen führt. In anderen Fällen ist Stress oder eine Krankheit dafür verantwortlich, dass im Liebesleben nicht mehr alles nach Plan verläuft. Betroffen sind Männer aller Altersgruppen: Jung oder alt, körperlich fit oder sportlich inaktiv.

Sambuchi berichtet in ihrem Film von einem italienischen Gigolo, der für seinen Beruf ständig bereit sein muss. Damit sein bestes Stück in jeder Situation funktioniert – so wie es seine Kundinnen erwarten – nimmt er vor einem Treffen Viagra.

Andere Männer müssen für ihren Job zwar nicht sexuell tätig sein, jedoch sind sie so viele Stunden am Tag am Arbeitsplatz, dass sie abends zu erschöpft sind, um ihren Lebenspartner zu befriedigen. Auch diese Herren der Schöpfung greifen zu ihrem blauen Freund.

Was andere Menschen über das Problem denken


Viele Männer schämen sich für ihr Erektionsproblem und sprechen nicht offen darüber – weder mit ihrem Lebenspartner noch mit einem Arzt. Dabei gibt es Experten wie Wolfgang Harth, die als Andrologen Erektionsstörungen behandeln. Der Tagesspiegel berichtet über einen Arbeitstag des Chefarztes der Hautabteilung am Vivantes Klinikum Spandau. Er weiß nur allzu gut, dass viele Männer den Arztbesuch hinauszögern, bis sie keinen Ausweg mehr sehen.

Laut Harth liegt in vielen Fällen nicht nur ein physisches, sondern psychisches Problem vor. Die Versagensangst ist dafür verantwortlich, dass es mit der Potenz nicht klappt. Einerseits fürchten sich Männer, dass ihr Freund in der Ekstase nicht aufrecht steht, andererseits wollen sie dem Partner nicht den Eindruck geben, ihn nicht mehr attraktiv zu finden.

Durch diese Besorgnis entsteht eine endlose Spirale der Sorgen, die bereits ernst zu nehmende Probleme verschlimmert. Der einzige Ausweg ist ein offenes Gespräch mit dem Partner und der anschließende Arztbesuch – dann leidet weder die Beziehung noch die männliche Psyche unter der Erektionsstörung.

Parodontitis könnte auf Erektionsstörungen deuten


Männer, die (noch) nicht von einer Erektionsstörung betroffen sind, können Maßnahmen ergreifen, die das Risiko einer Erkrankung verringern.

Einer Studie der Taipei Medical University zufolge ist die Mundgesundheit von großer Wichtigkeit. Die Wissenschaftler untersuchten die Daten tausender Männer, um einen Zusammenhang zwischen der Zahngesundheit und Potenzproblemen zu finden.

Jeder vierte Patient (24 Prozent), der von einer Erektionsstörung geplagt wurde, litt unter Parodontitis. Bei der Vergleichsgruppe waren nur 13 Prozent betroffen. Der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Potenzproblemen war bei den Männern unter 30 beziehungsweise über 59 Jahre besonders groß.

Ärzte raten generell dazu, einen gesunden Lebensstil zu verfolgen. Erektionsstörungen werden in erster Linie von Krankheiten wie Diabetes oder multiple Sklerose ausgelöst. Doch auch ein ungesunder Lebensstil wirkt sich negativ auf die Manneskraft aus: Wer übergewichtig ist, raucht oder Alkohol trinkt, unterliegt einem höheren Risiko, mit Erektionsstörungen kämpfen zu müssen.

Auch der bereits genannte Stressfaktor, der in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat, spielt eine große Rolle. Laut der TK-Studie zur Stresslage der Nation ist jeder zweite Mann (52 Prozent) häufig oder manchmal gestresst. Insbesondere die 26- bis 45-Jährigen unterliegen einer wachsenden Verantwortung – beruflich sowie privat. Viele von ihnen sind Väter, sie müssen den Haushalt managen und im Beruf erfolgreich sein.

Helfen können sich die Männer nur selbst, indem sie Maßnahmen ergreifen, um ihr Stressniveau zu senken: Mehr Freizeit, geringere Erreichbarkeit, häufiger in den Urlaub fahren.
( , 29.07.2016 - )
 
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