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Donnerstag, 27.07.2017
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Hilft Augentraining wirklich gegen Fehlsichtigkeit?

Sehschulungen

Es gibt immer mehr Kurse und Seminare für Augentraining, mit dem sich angeblich Sehschwächen wie Kurz- und Weitsichtigkeit mindern lassen. Einige Anbieter behaupten sogar, dass man nach entsprechenden Sehschulungen ganz ohne Brille auskommen könne. Doch die Wissenschaft ist sich einig: Nur in wenigen Fällen lassen sich Sehschwächen durch Augentraining korrigieren.
Einsatz einer sogenannten stenopäischen Lücke - einer runden, undurchsichtigen Kunststoffscheibe, welche in der Mitte mit einem Loch versehen ist.

Einsatz einer sogenannten stenopäischen Lücke - einer runden, undurchsichtigen Kunststoffscheibe, welche in der Mitte mit einem Loch versehen ist.

Ursachen der Kurz- und Weitsichtigkeit


In der Regel entsteht Fehlsichtigkeit durch einen Brechungsfehler im Auge: Das heißt, die von einem Objekt reflektierten und ins Auge einfallenden Lichtstrahlen treffen nicht gebündelt auf die Fovea – den Ort des schärfsten Sehen der Netzhaut. Bei Kurzsichtigen resultiert das meist aus einem zu langen Augapfel. Versuchen sie, ein weit entferntes Objekt zu fokussieren, liegt der Brennpunkt der einfallenden Lichtstrahlen vor der Netzhaut – das Gesehene wirkt dadurch unscharf. Bei einer Weitsichtigkeit ist der Augapfel meist verkürzt – dadurch können nahe Objekte nicht scharf gesehen werden. Die altersbedingte Weitsichtigkeit ist auf eine abnehmende Elastizität der Linse zurückzuführen. Die Linse wird immer starrer und kann schließlich die für die Naheinstellung benötigte Krümmung nicht mehr einstellen.

Techniken des Augentrainings


Der wahrscheinlich Erste, der Augentraining bzw. Augenmuskeltraining zur Behandlung von Fehlsichtigkeit einsetzte und erforschte, war der Augenarzt Dr. William Horatio Bates. Eine der gängigsten Übungen war das Massieren der geschlossenen Augen, um die Blutzirkulation anzuregen. Eine alternative Methode ist das simple Auflegen Hände auf die Lider. Angeblich sollen dadurch die Tränendrüsen stimuliert und die Produktion von Tränenflüssigkeit angeregt werden. Eine gängige Methode um vor allem Kurzsichtigkeit zu lindern, soll Anhängern Bates zufolge auch das Fokussieren sein. Dabei stellt man sich vor eine leere Wand, vor der in Entfernungen zwischen 5 und 10 Metern, Dinge aufgestellt sind. Das "gute" Auge wird zugehalten, während man versucht, mit dem schlechteren Auge zunächst den eigenen, vorgehaltenen Daumen und dann etwa 10 Sekunden einen einzelnen Gegenstand zu fokussieren.

In welchen Fällen ist Augenmuskeltraining sinnvoll?


Die Annahme, dass man durch Training der Augenmuskeln Kurzsichtigkeit heilen kann, gilt inzwischen wissenschaftlich als unhaltbar. Dasselbe trifft für die meisten Formen der angeborenen Weitsichtigkeit zu. Die klassischen Formen der Fehlsichtigkeit lassen sich durch Augenmuskeltraining nicht ausgleichen. Wie bereits dargelegt, entstehen beide Formen der Fehlsichtigkeit durch einen entweder zu langen oder zu kurzen Augapfel. Und diese Form des Augapfels lässt sich auch durch Augenmuskeltraining nicht ändern. Betroffene sollten in solchen Fällen lieber auf die Hilfe von Fielmann und Co. vertrauen und sich vom Experten eine Korrekturbrille oder Kontaktlinse anpassen lassen.

Wobei ein Trainieren der Augenmuskeln allerdings tatsächlich helfen kann, ist das Verzögern der Alterssichtigkeit. Denn diese entsteht durch die abnehmende Anpassungsfähigkeit der Linse. Die Anpassung wiederum erfolgt über den sogenannten Ziliarmuskel. Wenn man genau diesen Augenmuskel durch Übungen trainiert, lässt sich die Entstehung einer altersbedingten Weitsichtigkeit zwar nicht unbedingt verhindern, aber zumindest hinauszögern.

Sinnvoll ist Augenmuskeltraining aber vor allem bei all jenen Sehschwächen, die nicht auf die Größe des Augapfels, sondern direkt auf den Augenmuskel zurückzuführen sind und das räumliche Sehen betreffen – also beispielsweise Strabismus (Schielerkrankungen) oder Nystagmus (Augenzittern).
( , 01.04.2016 - )
 
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