• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 23.03.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Nikotinkonsum bedingt Psychose

Rauchen

Etwa 30 Prozent der erwachsenen Deutschen sind Raucher. Bei Männern unter 30 Jahren erreicht die Quote sogar fast 50 Prozent.

Etwa 30 Prozent der erwachsenen Deutschen sind Raucher. Bei Männern unter 30 Jahren erreicht die Quote sogar fast 50 Prozent.

Etwa 30% der Menschen in Deutschland sind Raucher. Bekannt sind die vielfältigen gesundheitlichen Schäden, wie Atemwegserkrankungen oder Krebs. Auch das Thema Sucht wird in Verbindung mit Nikotin besprochen und damit bereits auf die psychischen Effekte hingewiesen. Inwiefern diese falsch interpretiert worden sind, zeigt sich an einer aktuellen Forschungsarbeit.

Höheres Risiko für Psychosen unter Rauchern


Neueste Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen dem Rauchen und dem Auftreten von Psychosen liefert die Studie von Pedro Gurillo und seinem Team, die in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht worden ist. In einer Metaanalyse führten sie die Ergebnisse aus 61 verschiedenen Studien zu diesem Thema zusammen, werteten sie aus und untersuchten sie auf vier vorher aufgestellte Hypothesen:

1. Bereits in der Anfangsphase einer Psychose greifen Betroffene häufiger zur Zigarette.
2. Tägliches Rauchen zieht ein erhöhtes Risiko für psychotische Störungen nach sich.
3. Tägliches Rauchen führt dazu, dass eine Psychose früher als normalerweise einsetzt.
4. Je früher Betroffene mit dem Rauchen anfangen, desto höher ist das Risiko für eine psychotische Störung.

Die ausgewerteten Studien stammen aus der Zeit zwischen 1980 und 2014. Mithilfe eines mehrstufigen Auswahlverfahrens wurden sie auf bestimmte Schlüsselwörter hin geprüft, sowie die in Frage kommenden Studien auf die Verwertbarkeit ihrer Methodik hin ausgewertet. Die 61 ausgewählten Abhandlungen wurden entsprechend der aufgestellten Hypothesen statistisch ausgewertet.

Tatsächlich stellte sich heraus, dass Menschen, die täglich rauchen, anfälliger für Psychosen sind und sich diese umso früher einstellen, je früher der Betroffene mit dem Nikotinkonsum begonnen hat. Im Anfangsstadium der Psychose befindliche Raucher machten am Gesamtanteil 57% der Erkrankten aus und das Risiko dreimal höher, zur Zigarette zu greifen.

Zudem ließ sich schlussfolgern, dass sich durch tägliches Rauchen die Psychose ein Jahr früher einstellte als bei Nicht-Rauchern. Insgesamt konnte das Forscherteam einen Zusammenhang zwischen Nikotinkonsum und dem Auftreten von Psychosen feststellen, wenngleich sich dieser noch nicht vollständig belegen lässt. Weiterhin besteht Forschungsbedarf in diesem Bereich. (DOI: 10.1016/S2215-0366(15)00152-2, Lancet)

Rauchstopp und das psychische Befinden


Die Forscher gehen davon aus, dass der Überschuss am im Gehirn freigesetzten Dopamin die Psychose fördert. Dies stellt aber nur eine mögliche Erklärung dar und ist noch nicht ausreichend untersucht worden. Dafür spricht, dass Medikamente gegen die Symptome von Psychosen Dopamin-blockierend sind.
Eine weitere Studie für den Wirkungszusammenhang zwischen Rauchen und Psychosen lieferte ein Forscherteam der University of Birmingham. Sie untersuchten die Wirkung eines Rauchstopps auf das psychische Befinden nach mindestens sechs Wochen. Demnach hatten die Entzugserscheinungen bis zu diesem Zeitpunkt nachgelassen und die Psyche der Betroffenen sich gebessert. (IFLscience, Focus)
Diagramm zu Entzugerscheinungen bei Rauchern

Die häufgsten Entzugserscheinungen bei Rauchern


Allgemein ist bekannt, dass sich bei einer Raucherentwöhnung psychische Entzugserscheinungen einstellen. Zurückgeführt wird dies auf die fehlende Anregung des Neurotransmitter Dopamin, welches auch als Glückshormon bezeichnet wird. Nikotin belegt Nervenzellen, die diesen Botenstoff ausschütten. Klassische Entzugssymptome eines Rauchstopps zeigen sich in Unruhe, Konzentrationsstörungen oder Reizbarkeit.

Ist ein umgekehrter Wirkzusammenhang möglich?


Bisher ist in der Forschung davon ausgegangen worden, dass Menschen mit einer Psychose rauchen, um besser mit den Symptomen umzugehen. Rauchen diene psychisch kranken Menschen als Selbstmedikation, ist argumentiert worden. Tatsächlich wurde ein Rauchstopp von Patienten nicht verlangt, damit nicht eine zusätzliche Stresssituation entstehe. Dies könnte sich als ein völlig falscher Ansatz herausstellen, wenn die Krankheit erst durch das Rauchen bedingt worden ist.

Auch Betroffene selbst unterliegen einem Trugschluss: Wenn sie einen Rauchstopp erreichen, aber mit negativen Signalen wie Angst, Nervosität und Depression konfrontiert werden, schließen sie daraus, dass Rauchen gut für sie ist. In Wahrheit sind dies typische Entzugssymptome, die sich erst nach sechs Wochen bessern. Zudem besteht das Risiko, dass der Nikotinkonsum, die Produktion bestimmter Enzyme anregen kann, die die Wirkung verschriebener Psychopharmaka herabsetzt. (DOI: 10.1136/bmj.g1151, British Medical Journal).

Psychische Prozesse beim Rauchen und der Entwöhnung


Rauchen besitzt das Potential, zur Sucht zu werden. Ist der Betroffene körperlich und psychisch vom Nikotinkonsum abhängig und kann ihn nicht mehr kontrollieren, liegt eine Sucht vor. Durch das Nikotin werden Stoffe im Gehirn freigesetzt, die eine positive Wirkung und ein Gefühl der Zufriedenheit assoziieren. Diese Reaktion wird mit dem Reiz (also der Zigarette) verknüpft und hat eine bestärkende Wirkung auf den Raucher. Außerdem rauchen Abhängige trotz des Wissens um negative Folgen, die vor allem die Gesundheit betreffen. Entgegen der Empfindung der Raucher wird auch nicht die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit gesteigert, sondern das Gegenteil ist der Fall: Beides wird beeinträchtigt und die Entstehung einer Demenz gefördert.
( , 16.03.2016 - )
 
Printer IconShare Icon