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Freitag, 24.03.2017
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Neues Wundermittel bei Haarausfall?

Enzym-Hemmer gegen Janus-Kinasen

Anscheinend gibt es Grund zur Hoffnung für Menschen mit Haarausfall. Das amerikanische Magazin "Science Advances" hat unlängst Forschungsergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der Columbia University in New York veröffentlicht, die sich intensiv mit modernen Behandlungsmethoden des Haarausfalls beschäftigt. Die Wissenschaftlerin Angela Christiano hat die Studie im Medical Center der Universität geleitet und dabei den Einfluss eines bestimmten Enzyms auf das Haarwachstum entdeckt.

JAK-Enzymblocker regen das Haarwachstum an


Besonders Männer sind von Haarausfall betroffen.

Besonders Männer sind von Haarausfall betroffen.

Das wissenschaftliche Team untersuchte Prozesse in den Haarfollikeln von Menschen und Mäusen. Hierbei stießen sie auf eine bestimmte Art von Enzymen. Solche, die zu der Familie der sogenannten Januskinasen (JAK) gehören, würden die Entwicklung von neuen Haaren hemmen und die Follikel in die Ruhephase (Endes des Lebenszyklus im Haarwachstum) versetzen.

Die Ergebnisse legen nahe, dass bei einer Hemmung der Enzyme der natürliche Prozess des Haarwachstums wieder aktiviert und angeregt werden könne. Der entsprechende Versuch an Mäusen innerhalb der Studie war erfolgreich. Für das Ausschalten der JAK-Enzyme kommen zwei Substanzen in Frage - Ruxolitinib und Tofacitinib. Diese sind in Deutschland bereits für die medizinische Verwendung zugelassen und finden bei der Behandlung von Blut- oder Rheumaerkrankungen ihren Einsatz. Eine Ausweitung der Indikation wäre durchaus denkbar und der erste Ansatz in der Entwicklung von JAK-Hemmern zur Behandlung von Haarausfall.

Erste positive Ergebnisse bei menschlichen Proben


Die anfänglichen Versuche an Mäusen, in denen die Substanzen dem Futter der Versuchstiere beigemischt worden waren, blieben ohne nennenswerte Resultate. Folgend wurden den Tieren über einen Versuchszeitraum von fünf Tagen eine Wirkstofflotion direkt auf die betroffen Haut- bzw. Haarstellen gerieben. Die erste Wirkung von nachwachsendem Fell war bereits nach zehn Tagen deutlich zu sehen.

In einem weiteren Schritt wurde dieses Experiment mit menschlichen Follikeln und menschlicher Haut, die den Versuchstieren verpflanzt wurde, wiederholt. Hierbei handelte es sich um Proben, die Menschen mit der Haarausfall verursachenden Autoimmunschwäche alopecia areata, entnommen wurde. Auch hier konnten die Follikel aus der Ruhephase wieder in die Anagenphase (Wachstumsphase) überführt werden, sodass sich neue Haare bildeten. Diese seien zudem dicker und dunkler als je zuvor.

Proteinaufbau des Januskinase-Enzmys

Proteinaufbau des Januskinase-Enzmys

Im nächsten Schritt wollen die Forscher diese Tests nun direkt am Menschen wiederholen. Die Studienleiterin hält dieses Ergebnis für einen sehr wichtigen Schritt, der die Behandlung von Haarausfall bei Frauen und Männern revolutionieren könnte. In den weiteren Forschungen soll nun geprüft werden, ob die Substanzen auch gegen Haarausfall helfen kann, der durch andere Faktoren ausgelöst worden ist. Haarausfall kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden, die entsprechend eine andere Form der Therapie erfordern können.

Wie entsteht Haarausfall?


In Abhängigkeit von den ursächlichen Faktoren des Haarausfalls können verschiedene Formen unterschieden werden:
• Androgenetische Aolpezie (hormonell anlagebedingter Haarausfall)
• Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall, Immunschwäche)
• diffuser Haarausfall (weitere Ursachen, z.B. Pilze, Narben, etc.)

Unter dem erblich bedingten Haarausfall leiden hauptsächlich Männer. Es können aber auch Frauen, wenngleich mit weniger stark ausgeprägter Symptomatik, betroffen sein. Androgene, vor allem bei Männern ausgeschüttete Sexualhormone, greifen verstärkt die Haarwurzeln an, wenn hierfür eine genetisch veranlagte Sensibilität besteht.

Autoimmunerkrankungen gelten als zweithäufigste Ursache für Haarausfall, welcher zum typischen kreisrunden Haarverlust führen. Hierunter leiden sowohl Frauen als auch Männer in jeder Altersstufe. Es kommt zu kahlen Stellen auf der Kopfhaut.

Unter diffusem Haarausfall wird eine solche Symptomatik verstanden, bei der die Dichte der Kopfhaare ohne spezifisches Muster abnimmt. Die Ursachen hierfür sind mannigfaltig. Gründe können beispielsweise Stress, eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Infektionserkrankung sein.

Wie wird Haarausfall aktuell behandelt?


Patienten, die unter anlagebedingtem Haarausfall leiden, werden aktuell medikamentöse Therapien mit dem Wirkstoff Minoxidil oder speziell für Männer Finasterid angeordnet, welche entweder oral oder als Tinktur auf die Kopfhaut angewendet werden. Diese Behandlung setzt allerdings viel Geduld voraus und kann Nebenwirkungen, wie eine geringere Libido, mit sich bringen. Bei kreisrunden Haarausfall setzen Ärzte bisweilen auf Cremes oder Tabletten mit Kortison. Eine weitere Möglichkeit ist die UV-Bestrahlung. Bei rund 30 Prozent der Fälle bleibt eine Behandlung allerdings ohne Erfolg.

(Science Advances / 02.10.2015)
http://advances.sciencemag.org/content/1/9/e1500973

(Die Welt / 26.10.2015)
http://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article148027439/Mittel-gegen-Glatze.html

(121doc / Ursachen von Haarausfall)
http://www.121doc.de/haarausfall.html#http://www.121doc.de/haarausfall.html%23Ursachen:%20Wie%20Haarausfall%20entsteht
( , 04.12.2015 - AHD)
 
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