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Dienstag, 24.01.2017
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Der Faktor Gesundheit im Profisport

Fitness als Kapital

Regelmäßiger Sport gilt neben gesunder Ernährung als wichtigster Garant für langfristige Gesundheit. Allerdings ist auch längst bekannt, dass zu viel des Guten die Gesundheit eher negativ beeinflussen kann. Profisportler setzen ihren Körper täglich hohen Belastungen aus. Ihre Fitness und ihre körperliche Leistungsfähigkeit sind das Kapital, aus dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. Wie ist es aber um den grundsätzlichen Gesundheitszustand von Profifußballern, Eishockeystars und Leichtathleten bestellt? Achten sie ausreichend auf ihren Körper oder wird die Belastungsgrenze zu Gunsten der Karriere häufig überschritten?
Im Profisport ist das Verletzungsrisiko sehr hoch.

Im Profisport ist das Verletzungsrisiko sehr hoch.

Verschiedene Studien haben sich in der Vergangenheit mit dem Faktor Gesundheit im Profisport befasst. Hier sind einige interessante Ergebnisse aus der Welt des Sports:

1.Fußballer neigen zu mangelhafter Zahngesundheit


Gesunde Zähne sind ein wichtiges Thema. Zahnmediziner werden deshalb nicht müde, immer wieder auf die gesundheitlichen Risiken hinzuweisen, die eine mangelhafte Zahngesundheit mit sich bringen kann. Im Profisport scheint dieser Bereich des Körpers allerdings eher in den Hintergrund zu treten. Profisportler haben schlechte Zähne – Das zeigt eine Studie British Journal of Sports Medicine. Besonders die Zahngesundheit von Profifußballern lässt demnach zu wünschen übrig. Forscher Ian Needleman, der die Studie leitete, weist vor allem darauf hin, dass knapp vierzig Prozent der in der Studie untersuchten Fußballprofis bei einem Durchschnittsalter von 24 Jahren zu Karies neigen oder sogar eine stark von Karies geschädigte Zahnstruktur aufweisen. Chronischer Zahnfleischschwund ist eine weitere typische Erkrankung, die sogar bei ungefähr der Hälfte der untersuchten Spieler festgestellt werden konnte. Besonders häufig zeigten sich Entzündungen am Zahnfleisch. Acht von zehn Fußballprofis wiesen bei der Untersuchung eine akute Entzündung auf oder gaben an, häufiger darunter zu leiden. Mehr als 15 Prozent der Befragten gaben darüber hinaus an, immer wieder Zahnschmerzen zu haben.

Die Wissenschaftler untersuchten und befragten 187 männliche Profifußballer aus acht britischen Vereinen. Mit dabei war auch Spitzenverein Machester United, der sich selbst an einem Teil der Kosten für statistische Analysen beteiligte. Den regelmäßigen Zahnarztbesuch scheuen die Berufssportler nach eigenen Angaben nicht. Drei Viertel der befragten Fußballer versicherten, im Verlauf des letzten Jahres zu einer Kontrolle beim Zahnarzt vorstellig geworden zu sein und dies auch regelmäßig zu tun. Wenn der Gang zum Zahnarzt nicht das Problem ist, was sorgt dann für eine derart mangelhafte Zahngesundheit auf den Fußballplätzen der Profiliga? Für das Forscherteam um Ian Needleman liegt die Vermutung nahe, dass die isotonischen Getränke, die die Spieler während des Trainings und bei Spielen zu sich nehmen, um ihren Elektrolythaushalt schnell wieder auffüllen zu können, den Zähnen zusetzen. Die speziell für Sportler hergestellten Getränke enthalten meist eine große Menge an Zucker und Kohlensäure und greifen damit den empfindlichen Zahnschmelz und das Zahnfleisch an. Werden die Zähne regelmäßig von diesen Inhaltsstoffen umspült, kann es zu langfristigen Schädigungen kommen. Tatsächlich bestätigten zwei Drittel der in der Studie befragten Profisportler, dass sie mehrmals in der Woche beim Training oder während Spielen isotonische Getränke konsumieren. Neben Sportgetränken kann auch spezielle Sportlernahrung ein Grund für stark angegriffene Zähne sein. Energieriegel und Snacks für Hochleistungssportler werden auf Kohlenhydratbasis hergestellt und liefern viel Energie in Form von Zucker. Auch der kann sich auf den Zähnen ablagern und zu Schädigungen führen.

Ob der Genuss der zuckerhaltigen Nahrungsmittel tatsächlich als Grund für die mangelhafte Zahngesundheit der Fußballer herangezogen werden kann, ist allerdings bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen.

2. Fußball und Eishockey bergen das größte Verletzungsrisiko


Spitzensportler geben alles, um Höchstleistungen zu erzielen. Das belastet den Körper stark. Das Verletzungsrisiko ist in diesem Bereich deshalb besonders hoch. Ein Profifußballer trägt im Durchschnitt drei Verletzungen pro Jahr davon, einige sogar so schwer, dass sie operiert oder umfangreich nachbehandelt werden müssen. Diese Zahlen hat die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) ermittelt. In Deutschland ist der Fußball die Sportart, in der es am zweithäufigsten zu Verletzungen kommt. Auf Platz eins der Liste risikoreicher Sportarten steht hierzulande Eishockey.

Häufige Verletzungen im Profisport. Quelle: <a href="http://www.sportwettentest.net" target="_blank">www.sportwettentest.net</a>

Häufige Verletzungen im Profisport. Quelle: www.sportwettentest.net

Die beunruhigend hohen Verletzungszahlen haben die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft dazu angeregt, einen besseren Schutz für Profisportler zu fordern. Eine bessere medizinische Betreuung auch während des Trainings und in Regenerationsphasen könnte eine gute Grundlage für eine niedrigere Verletztenquote bilden. Den Experten zufolge sollten Profisportler sich regelmäßigeren physischen und kognitiven Tests unterziehen, damit eventuelle Schädigungen frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Ein besonderes Augenmerk sollte Unfallärzten zufolge vor allem auf die Erkennung von Schädel-Hirn-Traumata gelegt werden, die durch Gehirnerschütterungen besonders häufig in Kontaktsportarten auftreten. Werden diese Schädigungen nicht frühzeitig erkannt, können sie oft langfristige und irreparable Folgen mit sich bringen.

Ein optimiertes und intensiveres Fitnesstraining könnte zudem das Verletzungsrisiko senken und den Körper der Profisportler besser auf die extremen Belastungen vorbereiten, denen er im Training und in Spielen ausgesetzt ist. Das gilt vor allem für Sportarten, in denen es häufig zu hartem Körperkontakt kommt. Fußball und Eishockey stehen auch hier ganz oben auf der Liste.

Starker Körperkontakt erhört das Risiko für Hirnschäden


Ein Kopfballduell vor dem gegnerischen Tor, ein Tackle für den Ballträger, ein Aufwärtshaken gegen das Kinn – viele Sportarten gehen mit oft sehr hartem Körperkontakt einher. Das Verletzungsrisiko ist hierbei besonders hoch. Dabei werden nicht nur Knochen und Gelenke, sondern auch das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen. Profisportler, die in ihrem Beruf regelmäßig hartem Körperkontakt ausgesetzt sind, haben häufiger Gehirnerschütterungen und neigen stärker zu chronischen Nervenschädigungen wie Alzheimer oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS). Das ergab eine Langzeitstudie eines amerikanischen Ärzteteams, die im Onlinemagazin Neurology veröffentlicht wurde. Für die Studie wurden rund 3.500 Profisportler untersucht, die in einem Zeitraum von fast 30 Jahren in der Football-Profiliga NFL eingesetzt wurden.

Besonders in Kontaktsportarten kommt es häufig zu Hirntraumata.

Besonders in Kontaktsportarten kommt es häufig zu Hirntraumata.

Das Team um Everett Lehman ermittelte im Rahmen der Studie, dass Footballspieler aufgrund ihres überdurchschnittlichen Körpereinsatzes letztendlich häufiger an Nervenschädigungen sterben als andere Menschen. Lehman führt diese Tatsache darauf zurück, dass Profisportler in Kontaktsportarten im Laufe ihrer aktiven Karriere häufig zahlreiche Hirntraumata erleiden, die die Nerven im Gehirn langfristig schädigen können. Ähnlich risikoreich wie die Zusammenstöße beim Football sind Experten zufolge auch Kopfbälle im Fußball. Durch den starken Aufprall des Balles werden feine Nervenbahnen im Gehirn gereizt und überdehnt. Passiert dies zu häufig, ist es möglich, dass sich die Nervenbahnen nicht mehr regenerieren können und dauerhafte Schädigungen davontragen.

Zum Schutz der Sportler empfehlen Mediziner regelmäßige Untersuchungen, bei denen Profisportler auf ihre kognitiven Fähigkeiten getestet werden sollen. So könnten Hirnschädigungen frühzeitig erkannt werden. Ein Schnelltest könnte beispielsweise noch am Spielfeldrand erste Anzeichen für ein Schädel-Hirn-Trauma erkennen lassen und so verhindern, dass die Verletzung durch einen fortgesetzten Einsatz im Spiel schlimmer wird. Die Empfehlungen finden bis-lang allerdings kaum Beachtung im internationalen Profisport.
(k.A., 16.11.2015 - KSA)
 
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