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Samstag, 27.05.2017
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Wie viel ist wirklich genetisch vorbestimmt?

Sportliche Fähigkeiten

Wie viel von unseren sportlichen Fähigkeiten verdanken wir in Wirklichkeit unseren Genen, wie viel unserer Umwelt? Diese Frage beschäftigt den Menschen schon seit Ewigkeiten und ist trotz einiger Teilergebnisse aus der modernen Wissenschaft, nach wie vor nicht eindeutig zu beantworten. Gerade im Sport gibt es hierzu schon seit langem heiße Diskussionen, da minimale Unterschiede oftmals über einen glorreichen Triumph oder eine peinliche Pleite entscheiden können.
Angeboren oder antrainiert: Wie viel entscheiden unsere Gene über sportliches Talent?

Angeboren oder antrainiert: Wie viel entscheiden unsere Gene über sportliches Talent?

Wunschtraum Gen-Test


Die hohe Anzahl an Geschwisterpaaren im Spitzensport lassen viele an eine genetische Vorbestimmung glauben. Hierbei werden aber gerne die günstigen Umwelt- und Trainingsbedingungen in jungen Jahren einfach auf die Seite geschoben. Zu schön ist nämlich die Vorstellung mit einem einfachen Gen-Test die wahren sportlichen Talente des eigenen Kindes zu entdecken. Damit stünde dann dem späteren Weltklasse-Sportler auch nichts mehr im Wege. So der Wunschtraum.

Dass es aber keinen linearen Zusammenhang zwischen einzelnen Genen und der Exzellenz in bestimmten Betätigungsfeldern, wie der Schauspielerei, dem Humor, der Musik oder eben auch dem Sport gibt, legen alle bisherigen Studienergebnisse nahe. Denn solche Talente sind meistens wesentlich komplexer als zum Beispiel die genbedingte Augen- oder Haarfarbe.

Es wäre aber natürlich sehr naiv und falsch, den genetischen Einfluss auf gewisse biomechanische, physiologische oder anatomische Eigenschaften zu ignorieren. Zu offensichtlich sind die vielen Beispiele in der Welt des Sports, die zeigen, dass gewisse genetische Konstellationen einen signifikanten Vorteil bei der Ausübung einzelner Sportarten darstellen.

Ungleiche Verteilung im Basketball


Ein extremes Beispiel hierfür stellen die Basketball-Spieler dar. Jüngste US-Studien zeigen, dass 17% der 20-40 Jährigen, die über 2,10 Meter groß sind, in der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA spielen. Diese Verteilung weicht dermaßen stark von einer zu erwartenden Normalverteilung ab, dass sie nicht mehr mit bloßem Zufall oder besonders guten Umweltbedingungen erklärt werden kann.

Eine weitere statistische Auffälligkeit ist die hohe Erfolgsquote der kenianischen Läufer des Kalejin-Stammes bei Mittel- und Langstrecken. Hierfür zeichnen sich sicherlich auch gewisse physische Eigenschaften wie die verhältnismäßig langen Beine, die leichten Gliedmaßen und eine enorm leistungsfähige Lunge aus.

Es zeigt sich aber sehr gut, dass die Frage nach der genetischen Vorbestimmung nicht einfach beantwortet werden kann. Denn während die Kenianer die weltweiten Laufwettbewerbe seit Jahren dominieren, sind die Sudanesen fast nicht vertreten. Und dies, obwohl der Anteil der Kalejin-Zugehörigen im Sudan mehr als doppelt so hoch ist, wie in Kenia. Der große Unterschied liegt aber in dem im Sudan schon seit Jahrzehnten wütenden Bürgerkrieg, der die dortige Infrastruktur komplett zerstört hat und den jungen Sudanesen auch nicht die Möglichkeit gibt, ihre sportlichen Fähigkeiten in Ruhe zu entwickeln.

Die Kombination aus Gen und Natur macht es aus


Obwohl es sich nicht eindeutig beweisen lässt, gilt es daher als hoch wahrscheinlich, dass die ideale Kombination für erstklassige sportliche Leistungen aus einer günstigen sportspezifischen Genanlage, dem entsprechenden Trainingsehrgeiz bzw. -Möglichkeiten und der richtigen Motivation besteht. Auch die vielen erfolgreichen Brüderpaare in den obersten deutschen Fussball-Bundesligen sind ein starkes Indiz dafür. In der Saison 2015/2016 sind hier bis zu sieben Geschwisterpaare zu sehen. Weitere heiß geführte Diskussionen über den genauen Anteil der Gene bzw. des Umfeldes an den sportlichen Fähigkeiten sind also auch in Zukunft zu erwarten.
( , 12.11.2015 - AHD)
 
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