• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 23.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Telekom will Kupferleitungen aufrüsten

Vectoring

Seit 2012 ist bekannt, dass bis 2018 Haushalte bundesweit mit mindestens 50 Mbit/s surfen sollen. Da der Glasfaserausbau zu teuer sein soll, hat sich die Telekom für das sogenannte Vectoring entschlossen.
Je größer das Land, desto schwieriger ist die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet. Das haben Staaten wie die USA und Kanada längst erkannt. Doch auch in Deutschland sind nur wenige Menschen mit ihrer Internetgeschwindigkeit völlig zufrieden. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland keine Spitzenposition. Einer Studie von Akamai Technologies (PDF; 7,2 MB) zufolge liegt die durchschnittliche Geschwindigkeit (im Download) bei 10,7 Mbit/s, wodurch Deutschland nur Platz 24 erreicht. Beim Spitzenreiter Südkorea ist die Geschwindigkeit mehr als doppelt so groß (23,1 Mbit/s).

Das Idealszenario: Fiber to the x


Wie sieht der Breitbandausbau in Ländern aus, die für die Zukunft vorsorgen? Internet-Service-Provider, kurz ISP, investieren massiv in ein nationales Glasfasernetz. Die aus Quarzglas hergestellten Kabel besitzen Faserkerne in unterschiedlichen Querschnitten: 9, 50 oder 62,5 µm. Die Beschichtung hat eine Stärke von 125 µm. Je nach Qualität des Lichtwellenleiters und seiner Reichweite kann das Kabel Daten mit bis zu 100 Gbit/s übertragen (1 Gbit = 1.000 Mbit).

Die Glasfaserleitungen werden je nach verwendeter Technologie bis zum Gebäude (FTTB = Fiber to the Building) oder direkt ins Haus des Kunden (FTTH = Fiber to the Home) gezogen. Dabei handelt es sich um eine kostspielige Angelegenheit, die jedoch einen entscheidenden Vorteil besitzt: Glasfaserkabel übertragen bereits heute Geschwindigkeiten, die kaum ein Otto-Normalverbraucher in zehn Jahren benötigen wird. Die Investition ist somit langfristig von Vorteil.

Marcus Isermann von der Deutschen Telekom sagte 2012, dass der flächendeckende Ausbau, um mindestens 50 Mbit/s per FFTH zu erreichen, Schätzungen von TÜV zufolge etwa 80 Milliarden Euro kosten würde. Zusätzlich zu den Kosten gesellt sich der Zeitdruck: Das Netz muss bis 2018 fertig ausgebaut sein, was wirtschaftlich kaum machbar ist. Aus diesem Grund hat sich die Telekom für das sogenannte Vectoring entschieden.

Vectoring: Die kurzfristige Lösung der Telekom


Auch wenn der Ausbau des Glasfasernetzes die einzige zukunftsweisende Lösung ist, hat sich die Telekom dagegen entschlossen. Einem Beitrag auf golem.de zufolge plant das Unternehmen, erst in zehn Jahren Glasfaser bis zum Kunden legen zu wollen. Die Telekom begründet diese Entscheidung mit einer internen Bedarfsprognose, welcher nach selbst internetaffine Vierpersonenhaushalte in zehn Jahren mit 208 Mbit/s im Download und 50 Mbit/s im Upload zurechtkommen werden.

Derzeit sieht der Plan der Telekom wie folgt aus:

- flächendeckend mindestens 50, besser sogar 100 Mbit/s bis spätestens 2018 zur Verfügung stellen
- mithilfe von Super Vectoring die Datenrate auf 250/50 Mbit/s erhöhen
- dank Weiterentwicklung des Hybridrouters Datenrate auf bis zu 550 Mbit/s steigern

Das Problem dieser Geschwindigkeiten bleiben die Hauptverteiler und die Entfernung der Haushalte zu diesen. Je weiter ein Haushalt vom Verteiler entfernt ist, desto geringer die Geschwindigkeit, die bei ihm ankommt.

Die Funktion der Vectoring-Technologie


Die Deutsche Telekom besitzt ein deutschlandweites Kupfernetz, welches Kunden mit Internet versorgt. Kupferkabel sind veraltet und haben seit geraumer Zeit ihre Grenzen erreicht, was die Übertragungsgeschwindigkeit angeht. Dieses Problem lässt sich mit dem sogenannten Vectoring lösen.

Beim Vectoring der ersten Stufe kann die maximal mögliche Datenrate verdoppelt werden, indem Cross-Talk-Störungen eliminiert werden. Im Grunde reduziert die Technologie elektromagnetische Störungen in Kupferkabeln. Die Datenrate steigt dadurch von ehemals 50 auf bis zu 100 Mbit/s. Beim Upload werden bis zu 40 Mbit/s erreicht.

Warum ein verspäteter Glasfaserausbau problematisch ist


Trotz der rapiden Versorgung deutscher Haushalte mit schnellem Internet wird eine wichtige Investition verpasst, die in Zukunft ohnehin getätigt werden muss: Der Glasfaserausbau. Laut Heavy Reading[1] dauert ein nationaler Glasfaserausbau mindestens zehn Jahre, wobei nur 50 Prozent Abdeckung erreicht wird. Der verspätete Ausbau, der laut der Telekom wohl erst 2025 starten wird, würde bedeuten, dass 2035 erst jeder zweite Haushalt mit Glasfaserkabeln versorgt ist und Deutschland frühestens erst 2045 komplett abgedeckt ist.

Diese verspätete Abdeckung - auch wenn sie aus heutiger Sicht noch nicht notwendig ist - birgt die Gefahr, dass die Geschwindigkeiten plötzlich doch benötigt werden. Wenn die Vergangenheit eines demonstriert hat, ist es, dass Prognosen über die benötigte Internetgeschwindigkeit meist falsch waren. Die steigende Vernetzung der Haushalte erfordert immer höhere Datenraten, die in Zukunft nur noch größer sein werden.

Bereits heute von schnellem Internet profitieren


Trotz der gesamten Problematik rund um den Ausbau der deutschen Internetinfrastruktur gibt es Menschen in Deutschland, die bereits von schnellem Internet profitieren können. Verbraucher müssen dazu lediglich einen DSL-Test durchführen, zum Beispiel auf preis24.de/dsl-test. Im Rahmen des Tests, bei dem in der Regel lediglich die Adresse abgefragt wird, wird geprüft, ob ein DSL-Zugang für die gewünschte Adresse zur Verfügung steht und welche Geschwindigkeit erreicht werden kann.
( , 27.10.2015 - AHD)
 
Printer IconShare Icon