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Dienstag, 24.01.2017
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Die Zukunft ist dezentral

Energieversorgung

Solarzellen auf dem Hausdach, Windräder auf einem abgelegenen Feld außerhalb der Ortschaft - die Energieerzeugung der Zukunft ist dezentral und wetterabhängig. Damit der Strom aus der Steckdose weiterhin wie gewohnt überall und zu jeder Zeit verfügbar ist, arbeiten Experten seit Jahren an modernen Energiespeichern.
Zwei Länder der Erde verbrauchen mehr als alle anderen Industriestaaten gemeinsam. China hat laut CIA einen jährlichen Stromverbrauch von 5.322 Terawattstunden (TWh). Die USA liegt mit 3.886 Terawattstunden dahinter. Im Vergleich zu diesen beiden Ländern scheinen die anderen Nationen wahre Energiesparer zu sein:
- Russland: 1.038 TWh
- Japan: 860 TWh
- Indien: 699 TWh
- Deutschland: 583 TWh
- Kanada: 500 TWh
- Frankreich: 463 TWh
- Brasilien: 456 TWh
- Südkorea: 450 TWh

Eines ist sicher: Länder wie Indien werden ihren Stromverbrauch in den kommenden Jahren stark erhöhen. Das Land steht mit dieser Entwicklung nicht alleine dar. Fakt ist, dass die Erde mehr und mehr Menschen beherbergt und viele von ihnen nutzen immer mehr Geräte, die Strom benötigen. Alle Stromsparmaßnahmen der Welt können diese Entwicklung nicht ausgleichen. Damit das Netz dieser Belastung standhält, muss es evolvieren.

Der aktuelle Energiemix und die Abhängigkeit von Dritten


Diese Infografik über den Energiemix und die weltweite Energieproduktion verdeutlicht, warum eine dezentrale Energieversorgung wichtig ist. Der Anteil von 27 EU-Ländern an der weltweiten Energieproduktion beträgt nur sieben Prozent. Der Verbrauch dieser Länder sieht wie folgt aus:
- 10 % erneuerbare Energie
- 13 % nuklear
- 16 % Kohle
- 27 % Gas
- 35 % Öl

Öl und Gas machen 62 Prozent des gesamten Energiebedarfs aus. Beides wird größtenteils aus Ländern außerhalb der EU importiert - aus Russland und der Ukraine beispielsweise.

Mit erneuerbaren Energien zu einer unabhängigeren Versorgung


Die Vergangenheit hat immer wieder verdeutlicht, warum eine solche Abhängigkeit problematisch ist. Aktuelle Verhandlungen für ein neues Gasabkommen zwischen Russland und der Ukraine sind gescheitert. Zwar ist die EU von diesem speziellen Fall nicht betroffen, er zeigt aber auch ein mögliches Szenario für die Zukunft. Viele EU-Länder sind vom russischen Gas abhängig. Eine ausfallende Lieferung im Winter könnte zu massiven Problemen führen.

Ein Versorgungsausfall würde bedeuten, dass Deutschland nur noch Gas aus Norwegen und der Niederlande beziehen könnte. Da der Ausfall nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder betrifft, würde es zu einer erhöhten, EU-weiten Nachfrage kommen, die nicht befriedigt werden kann.

Dezentrale Energieversorgung: Wie sie in Deutschland aussehen könnte


Peter Wasserscheid, Gründungsdirektor am Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg, erklärt in einem Interview mit Frank Grotelüschen, wie Deutschland die dezentrale Energieversorgung umsetzen könnte. Seiner Meinung nach sollte die Bundesrepublik zunächst einzelne Energiezellen definieren:
- Landkreise
- Kleinstädte
- Teile von Metropolen

Aufgabe jeder Energiezelle wäre es, ihren Energieverbrauch weitestgehend eigenständig abzudecken. Je nach Region kommen unterschiedliche Energielieferanten zum Einsatz: Im Norden Deutschlands die Windkraft, im Süden die Solarenergie.

Wichtig ist nicht nur die Energiegewinnung selbst, sondern auch ihre Speicherung. Letztere ist die große Herausforderung, mit der Forscher aktuell kämpfen. Erneuerbare Energien haben das Problem, dass ihre Produktion wetterabhängig ist. So kommt es häufig zu einer Überproduktion, die für eine spätere Verwendung gespeichert werden muss.

Dezentrales Energiesystem als Chance für südliche Länder


Deutschland steht im Vergleich zu anderen Ländern energietechnisch gut dar. Ein Großteil der südlichen Länder hingegen zählt zu den ärmeren Regionen unserer Welt. Sinkende Kosten für die Erzeugung von Strom könnten ihnen helfen, sich schneller weiterzuentwickeln. Bis heute haben 1,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu einer Stromversorgung. Der Grund dafür ist unter anderem das globale Bevölkerungswachstum. Strom ist jedoch ein wichtiges Mittel, um Armut zu bekämpfen. Gleichzeitig entwickelt es die Industrie eines Landes und ermöglicht der Bevölkerung einen relativen Wohlstand.

Diese Weltkarte (Global Solar Irradiance Map) zeigt, welche wichtig Rolle die Solarenergie in den südlichen Staaten, insbesondere in Afrika und Australien, spielen könnte. Hier stehen Ressourcen in ausreichender Kapazität zur Verfügung. Zwar zählt Australien nicht zu den armen Ländern, doch auch hier gibt es weiterhin großes Potenzial, den Kontinent mit günstiger, umweltfreundlicher Energie zu versorgen.

Dezentrale Energieversorgung heute: Stromzähler automatisch ablesen


Der Ökostromanbieter LichtBlick lieferte sich jahrelang einen Rechtsstreit mit dem nordwestdeutschen Unternehmen EWE Netz. Der Grund: EWE versuchte, den Anschluss der sogenannten ZuhauseKraftwerke von LichtBlick in seinem Netzgebiet zu verhindern. Die Begründung lag darin, dass die ZuhauseKraftwerke einen fern auslesbaren Stromzähler besitzen und dieser, laut EWE, nicht an der richtigen Stelle installiert sei.

Die meisten Haushalte heute besitzen Stromzähler an zentralen Plätzen. Netz-Unternehmen müssen zu jedem Haushalt fahren und sie vor Ort ablesen. LichtBlick hat Zähler in seine Kraftwerke integriert, welche Messdaten alle fünfzehn Minuten auswerten und übertragen.

Der Bundesgerichtshof hat nun entschieden, dass die Ablesung aus der Ferne angemessen ist (BGH EnVR 45/13). Von dieser Entwicklung profitieren sowohl Energieversorger als auch ihre Kunden. Durch die niedrigeren Kosten zum Ablesen von Zählern können die Ersparnisse in Form von niedrigeren Preisen an den Kunden weitergegeben werden.
( , 07.07.2015 - AHD)
 
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