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Montag, 18.12.2017
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Wie schnell Kinder laufen lernen – der Weg von der Horizontalen in die Senkrechte

Stella Hirschlich

Im Kleinkind- und Schulalter kommen uns Tage, Wochen und Monate noch lang vor. Je älter wir jedoch werden, desto mehr scheint die Zeit zu rennen. Manchmal scheint sie zwischen der vielen Arbeit und den zahllosen Dingen, die uns im Alltag beschäftigen, sogar durch die Finger zu gleiten. Ganz besonders fällt uns die Geschwindigkeit des Lebens auf, wenn wir Kinder bekommen oder deren Entwicklung im Bekannten- oder Familienkreis miterleben dürfen. Innerhalb der ersten Lebensjahre durchlebt ein Kind Meilenstein um Meilenstein der eigenen Entwicklung. Zum beeindruckendsten und wichtigsten Entwicklungsschritt der frühkindlichen Zeit gehört das Laufenlernen.
Beim Laufenlernen kommt es auch auf das richtige Schuhwerk an.

Beim Laufenlernen kommt es auch auf das richtige Schuhwerk an.

Der Weg vom unbeweglichen Säugling nach der Geburt bis hin zum sich selbstständig bewegenden Kleinkind ist beeindruckend kurz, besonders beachtet man die Zeitspanne bis zum ersten Schritt in Verbindung mit den zahlreichen motorischen Fähigkeiten die es hierzu zu erlernen gilt. Kinder wagen ihre ersten freien Meter im Schnitt mit etwa einem Jahr.

Kinder laufen im Durchschnitt mit etwa 12 Monaten


Dabei ist die gesundheitlich unbedenkliche Zeitspanne dieser motorischen Entwicklung enorm groß. Denn, während so manches Kind schon mit 9 Monaten beginnt zu laufen, dürfen sich andere ruhigen Gewissens bis zum 20. Lebensmonat Zeit lassen. Auch sagt der Zeitpunkt des Laufens nichts über die grundsätzliche Lernbereitschaft der Kinder im späteren Leben aus.

In einer Langzeit-Studie beobachteten Wissenschaftler aus der Schweiz beispielsweise 222 gesunde Neugeborene über diesen Entwicklungsschritt hinweg. Sie wollten wissen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der ersten Schritte und der späteren Intelligenz bzw. späteren motorischen Fähigkeiten gäbe. Das Ergebnis der Studie: Bei keinem der Kinder konnte ein Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt des Laufenlernens und späteren Fähigkeiten gezogen werden. Es ist also völlig unwichtig, wann ein Kind zu laufen beginnt.

Faktoren, die diesen Zeitpunkt beeinflussen


Tatsächlich ist das Erlernen des Laufens auch immer eine Frage des Umfeldes. Damit etwas erlernt bzw. geübt werden kann, bedarf es zahlreicher Möglichkeiten hierzu. D.h. einem Kind muss die Freiheit geboten werden, den Drang zu laufen überhaupt auszuleben. Wird es vor allem im Kinderwagen geschoben oder nach jedem Fehlversuch auf den Arm genommen, so wird ihm die Möglichkeit genommen diese Fähigkeit zu trainieren.

Betrachtet man die kindlichen Entwicklungsschritte in anderen Ländern so fallen einem Unterschiede auf, die auch auf diesem Prinzip beruhen. In vielen Kulturen ist es üblich Kinder viel zu tragen. Dabei fällt auf, dass Kinder aus asiatischen und afrikanischen Regionen deutlich früher beginnen zu laufen als europäische Kinder, die die ersten Monate ihres Lebens häufig vor allem liegend verbringen. Wissenschaftler sehen die Verbindung hierin durch das fehlende Schulen der Wahrnehmung und des Gleichgewichtssinnes bei Kindern, die nicht so häufig getragen werden.

Kinderschuhe gibt es auch für die kleinsten in riesiger Auswahl.

Kinderschuhe gibt es auch für die kleinsten in riesiger Auswahl.

Gesunde erste Schritte


Weit wichtiger als der Zeitpunkt der selbstständig zurückgelegten Meter ist die Frage, wie diese beschritten werden. Denn, Kinder legen gerade in dieser Zeit den Grundstein für ihre späteren Bewegungsabläufe. So können Fehlstellungen der Füße oder falsch angelernte Bewegungsmuster sich auf die spätere Gesundheit durchaus auswirken. Ein gut entwickeltes Fundament, welches rein körperlich unsere Füße und Beine darstellen, ist enorm wichtig für viele andere motorische Fähigkeiten. Sei es nun klettern, schwimmen, rennen oder andere Bewegungen.

Wie können Eltern ihre Kinder unterstützen Laufen zu lernen?


Wichtig ist es, Kinder niemals zum Laufen zu drängen. Kinder laufen, wenn sie es motorisch können und keinen Tag früher. Es besteht im Grunde ja auch keine Notwendigkeit Druck auf Kinder auszuüben, denn ein schlecht laufendes, häufig fallendes Kind ist sicherlich kaum einfacher zu handhaben als ein ausgeglichenes Krabbelkind. Besser als diverse Laufvorrichtungen oder ständiges Üben ist das zur Verfügung stellen optimaler Bedingungen. Nackte Füße im Sommer sind das Beste, was man für sein Kind tun kann, damit es natürlich laufen lernt. Als Alternative für die kalte Jahreszeit gibt es spezielle Schuhe, sogenannte Lauflernschuhe, aus besonders beweglichem Material. Eine kindersichere Umgebung und Geduld sind weitere Grundvoraussetzungen dafür, dass das Kind unbeschadet und voller Freude einen weiteren Entwicklungsschritt machen kann.

Lauflernwagen und Babyhopser


In den letzten Jahren schwer in Verruf geraten sind die einst noch so beliebten Wagen und Hängevorrichtungen. Bei beiden geht es darum, Kindern, die sich selbst noch nicht eigenständig aufrecht fortbewegen können, diese Möglichkeit zu geben. Problem bei den so heiß geliebten Fortbewegungsmitteln ist neben der hohen Unfallgefahr (insbesondere in Form von Treppenstürzen durch Lauflernwagen) die schlechte Fußhaltung während der Nutzung. Da die Kinder möglichst oberhalb des Bodens hängen neigen sie dazu die Zehen zu spitzen und ohne Aufsetzen der Fußsohlen zu fahren oder zu springen. Zudem tragen Lauflernwagen nicht dazu bei Kinder früher an das Laufen heran zu führen. Ganz im Gegenteil. Diverse Studien belegen, dass Kinder, die in Lauflernwagen gesetzt wurden, tendenziell sogar eher später zu laufen begannen.
(Stella Hirschlich, 11.12.2014 - ANY)
 
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