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Sonntag, 23.07.2017
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Gesundheitsgefährdung durch Textilien – Übersicht und Tipps

Happy Size Versand GmbH & Co. KG

Die Bio- und Fairtrade-Branche boomt, trotz der zahlreichen Skandale und Skepsis vieler Verbraucher gegenüber den Umweltschutz-Zertifikaten. 2013 lag der Umsatz von Produkten aus fairem Handel in Deutschland bei 654 Millionen Euro. Fairtrade-Textilien konnten im Vergleich zu 2011 40 Prozent Absatzsteigerung einfahren, besaßen dabei jedoch nur einen Anteil von 34 Prozent an Bioprodukten. 2012 gab es einen Gesamtumsatz der deutschen Textil- und Bekleidungsunternehmen von 28 Milliarden Euro, die damit an Spitze der europäischen Textil-Produktionen stehen.
Farbenfrohe Kleidung kann einige Giftstoffe enthalten

Farbenfrohe Kleidung kann einige Giftstoffe enthalten

Die Produktion von Textilien ist umfangreich, anspruchsvoll und in der gesamten Welt verteilt. Für viele Verbraucher ist der Griff in den Kleiderschrank eine Selbstverständlichkeit, denn von Kopf bis Fuß ist jeder individuell eingerichtet und trägt auf der Haut alles von Baumwolle, über Wolle, Viskose, Polyester bis hin zu Leder. Doch bei der Herstellung gibt es einige Abläufe, die mit Hilfe von chemischen Prozessen Veränderungen in den Stoffen erst möglich machen. Dabei entstehen erste Belastungen durch Insektizide und Pestizide der entsprechenden Pflanzen, die für die Textilproduktion laut eigenen Angaben notwendig sind.

Gifte in Baumwollprodukten


Der konventionelle Baumwollanbau setzt auf Pflanzenschutzmittel, um die sensiblen Pflanzen vor Schädlingen zu schützen. Baumwollpflanzen sind in Monokulturen angebaut, die durch die enge Pflanzung eine Verbreitung von Schädlingen ermöglichen und dem Boden dadurch einseitig Nährstoffe entziehen. Rund 25 Prozent der weltweiten Insektizide landen auf den Baumwoll-Feldern. Die Erträge sollen dadurch anwachsen, doch viele Betriebe kämpfen bereits jetzt trotz Schutzmitteleinsatz oder Genmanipulation mit resistenten Schädlingen. Darüber hinaus gibt es für Mitarbeiter bei der Pflege der Felder bei unzureichendem Schutz gesundheitliche Probleme, bis hin zu Vergiftungen oder Todesfällen. Doch auch nach der Fertigstellung sind Rückstände in den Kleidungen möglich, die Allergien, Juckreiz, Übelkeit oder Schwächung des Immunsystems verursachen können. Dies kann auch über den Transport und die Lagerung erfolgen, um die Produkte vor Schimmel oder Schädlingen zu bewahren.

In Indien ermöglichte die Verwendung von Bt-Baumwolle, also genmanipulierten Pflanzen, erhöhte Erträge und schuf einen verringerten Einsatz von Insektiziden. Ein Vorteil der Bt-Baumwollpflanzen besteht darin, dass sie eigene Toxine produzieren können, welche die gefährlichen Schädlinge töten sollen. Doch Forscher kritisieren, dass viele Insekten gegen dieses Eigengift immun werden können und aus der Baumwolle nur minderwertiges Saatgut für die Nachzucht entsteht.

Käufer stehen im Handel oft vor dem Problem, dass die Ursprünge der Inhaltsstoffe und Materialien kaum nachzuvollziehen ist und genmanipulierte Baumwolle keine Kennzeichnungspflicht besitzt. Eine Alternative dazu stellt Bio-Baumwolle dar, die ohne den Einsatz von chemischen Mitteln oder Genmanipulation angebaut ist. Allerdings können bei der Weiterverarbeitung ohne genaue Kennzeichnung giftige Stoffe nicht ausgeschlossen sein.

Besonders dunkle und grelle Farben sollen stärker mit Toxinen belastet sein

Besonders dunkle und grelle Farben sollen stärker mit Toxinen belastet sein

Krebserregende Farbstoffe


Azofarbstoffe gehören zu den problematischen Chemikalien, die bei der Textilherstellung zum Einsatz kommen. In Deutschland sind diese Farbstoffe verboten, da Bakterien der Haut diese Stoffe zu so genannten aromatischen Aminen umwandeln, welche Krebs erregend wirken können. Ist ein Verbraucher nicht sicher, ob das Kleidungsstück diese Farbstoffe enthält, sollte er vor dem Tragen die Farbstoffreste auswaschen. Allerdings können diese Inhaltsstoffe auch in Kinderspielzeugen oder Lebensmitteln vorkommen. Es gibt über 2000 dieser synthetischen Stoffe, die für das Färben von Holz, Papier, Beschichtungen und Fette eingesetzt sind. Von über 1600 kommerziellen Farbstoffen sollen nur 16 unbedenklich sein. Eine detaillierte Geschichte der Entstehung von Farbstoffen liefert chemie.de.

Dispersionsfarbstoffe sind vor allem bei synthetischen Fasern gebräuchlich. Diese können bei Hautkontakt allergische Reaktionen hervorrufen und sind besonders bei Polyesterfasern weit verbreitet. Es gibt jedoch kein Verbot für die Verbreitung von Kleidungsstücken mit diesen Farbstoffen, da sie im Gegensatz zu Azofarbstoffen als weniger bedenklich gelten. Besonders in Körperregionen mit starker Schweißbildung sind Azo- und Dispersionsfarbstoffe bedenklich. Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen, denn einige Mittel sind für die Herstellung in europäischen Ländern verboten. Beispiele sind Trichlorbenzol zur Beschleunigung des Färbvorgangs oder Formaldehyd und Glyoxal, die Fasern entknittern können und im Zusammenhang mit Krebserkrankungen und Hautirritationen standen.

Antibakterielle Stoffe und Nanobestandteile


Silberionen und Triclosan sind Mittel, welche hauptsächlich in Sport- und Funktionskleidung Anwendung finden. Diese sollen Bakterien der Haut töten und dadurch den typischen Schweißgeruch verhindern. Für eine gesunde Hygiene ist dies allerdings nicht notwendig, denn die Biozide greifen die Hautflora an und können das empfindliche Gleichgewicht durcheinander bringen. Fachleute sind außerdem darüber besorgt, dass Rückstände der Biozide ins Abwasser gelangen und die Entstehung von resistenten Bakterien begünstigen. Triclosan ist ein Desinfektionsmittel, das in vielen Produkten wie Konservierungsstoffen, Rasiergels oder Kosmetika vorkommt. In Textilien ist es wie Silberionen für die Zerstörung der Bakterien zuständig, die den Schweißgeruch verursachen, lässt sich jedoch auch in Polstermöbeln, Leder und Bodenbelägen finden. Der Stoff kann sich durch den Schweiß aus der Faser lösen und die Zerstörung der Schutzmechanismen der Haut sorgt für Reizungen und belastet in extremen Fällen sogar die Schilddrüse. Kreuzresistenzen der Bakterien, die sowohl gegen Triclosan, als auch gegen Antibiotika resistent werden, sind die Folge. Verbraucher sollten Produkte mit Triclosan meiden und antibakterielle Kleidung erst gar nicht erwerben.

Sportkleidung besteht oft aus Kunst- und Synthetikfasern

Sportkleidung besteht oft aus Kunst- und Synthetikfasern

Nanopartikel lassen sich ebenfalls in vielen Produkten finden. Diese sind auch in Sportkleidung beliebt, da sie das Wachstum der Bakterien verlangsamen oder ihn ganz unterbinden. Die Nanoteilchen haben viele Vorteile, können jedoch bei längerem und intensivem Kontakt die Bildung gesunder Zellen ebenso verhindern, wie sie Bakterien abtöten. Darüber hinaus gibt es Bedenken bei der verstärkten Resistenz der Bakterien.

Textile Pflege und Selbstschutz


Wer seine Kleidung ohne Giftstoffe oder toxische Vorbehandlung kaufen möchte, sollte auf die unterschiedlichen Kennzeichnungen achten. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace listet einige dieser Kennzeichnungen (pdf) auf:

- EU-Ecolabel
Freiwilliges Zeichen für umweltfreundliche Produkte von Toilettenpapier bis Geschirrspülmittel nach einheitlichen Grenzwerten.

- IVN Best
Nachweis von 100 Prozent Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau oder Tierhaltung. Maximal fünf Prozent synthetische Fasern sind zusätzlich zugelassen. Strenge Verbote von giftigen Substanzen und Richtlinien zu den Grenzwerten.

- Öko-Tex 100
Vergabe von der Internationalen Gemeinschaft für Forschung und Prüfung der Textilökologie. Prüfung auf Schadstoff-Rückstände in Textilien anhand eingereichter Proben. Legt den Fokus auf hautfreundliche Bekleidung und wissenschaftliche Untersuchungen.

- Global Organic Textile Standard (GOTS)
Mindestens 70 Prozent Naturfaser-Textilien, die von der Herstellung der Faser bis zur Weiterverarbeitung und zum Endprodukt überwacht sind. Wie bei IVN Best sind viele Toxine verboten und unterliegen strengen Kriterien.

- Cradle to Cradle
Zertifikat bestätigt umweltsichere, gesunde und wiederverwertbare Materialien, die in Basis, Silber oder Gold unterteilt sind. Darüber hinaus kommen regenerative Energieformen zum Einsatz und im Unternehmen müssen soziale Richtlinien eingehalten sein.

Diese Label sind jedoch freiwillig und bedeuten nicht, dass Textilien ohne die Kennzeichnung zwingend giftige Stoffe enthalten. Allerdings ist die Zertifizierung ein Hinweis darauf, dass das Produkt ständige Überprüfung erfährt. In vielen Kleidungsstücken lassen sich beim Kauf nur Hinweise auf Waschvorgang, Herstellungsort und Grundmaterial finden, nicht jedoch Inhaltsstoffe oder Verträglichkeitskennzeichen. Diese Erläuterungen helfen beispielsweise dabei, die Piktogramme zu entschlüsseln und die eigene Kleidung besser zu pflegen. Jedes Material benötigt schließlich seine eigene Pflege und sollte dementsprechend behandelt werden.

Wer zum Beispiel Leinen- oder Flachskleidung trägt, sollte auf eine schonende Pflege achten. Dabei helfen bereits Neutralseife und lauwarmes Wasser und die Kleidung sollte in der Waschmaschine nur leicht angeschleudert sein. Ein Tipp besteht darin, die Kleidung einige Stunden vor dem Waschgang in kaltes Wasser zu legen, um mit der Feuchtigkeit spätere Brüche in den Fasern verhindern zu können.

Für viele hartnäckige Flecken oder Verschmutzungen müssen Verbraucher nicht zu giftigen Reinigern greifen, die neben der eigenen Gesundheit auch die Textilien belasten können. Einige Haushaltstipps gibt es in dieser Übersicht, die ohne großen Aufwand und hohe Kosten durchzuführen sind. Grundsätzlich sollten Verbraucher einen Bogen um Kleidung machen, die nur chemisch zu reinigen ist oder die keine Angaben zu Herkunft und Inhaltsstoffen macht.

Bestimmte Bio- und Ökolabel können dabei helfen, die passende Kleidung auszusuchen, selbst wenn nicht alle Verarbeitungsschritte dabei berücksichtigt sind. Besonders Funktionskleidung sollten Käufer genau unter die Lupe nehmen, denn dort lassen sich viele Weichmacher, Fluortelomeralkohole (FTOH) oder Nonylphenolethoxylate (NPE) finden. Diese stehen in Verbindung mit Hormonstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Immunstörungen und vielem mehr. Bis die internationale Textilherstellung einheitliche Standards einhält, wird jedenfalls noch eine lange Zeit vergehen.
(Happy Size Versand GmbH & Co. KG, 01.10.2014 - AKR)
 
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