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Dienstag, 17.10.2017
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RWI-Stahlbericht: Aussichten für deutsche Stahlindustrie bessern sich

Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Die Rohstahlproduktion in Deutschland wird in diesem Jahr voraussichtlich um 1% sinken und im kommenden Jahr mit anziehender Konjunktur um 0,9% auf 42,6 Millionen Tonnen steigen. Damit wird allerdings voraussichtlich nur ein moderater Beschäftigungsrückgang verbunden sein. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Stahlbericht des RWI. Die weltweite Rohstahlerzeugung wird demnach 2013 um 1,8%, im nächsten Jahr dann kräftiger um 4% zunehmen. Die Auslastung der Kapazitäten dürfte weltweit niedrig bleiben und der Druck auf die Stahlpreise vorerst anhalten.
Die deutsche Rohstahlerzeugung zeigt sich seit Beginn des vergangenen Jahres trotz sich abkühlender Konjunktur robust. Wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Ausfuhren von Walzstahlerzeugnissen im Jahresdurchschnitt 2012 um 2,2% zunahmen. Gleichzeitig sanken die Einfuhren um 9,6%. Diese Diskrepanz bei Ein- und Ausfuhren ist wohl auch auf Unterschiede in der Produktstruktur zurückzuführen: Während bei den Exporten nach wie vor nachgefragte hochwertige Produkte dominieren, entfällt ein hoher Anteil der Einfuhren auf einfachere Stahlqualitäten, die insbesondere im rückläufigen Bausektor verwendet werden. Zudem wurden die Stahllager 2012 reduziert.

Seit Beginn dieses Jahres überwiegen allerdings dämpfende Faktoren, und die Rohstahlerzeugung ist saisonbereinigt rückläufig. Ein stärkerer Rückgang wurde offenbar durch den Aufbau von Lagern verhindert; so meldet der Stahlhandel seit Jahresbeginn leicht steigende Lagerbestände. Die Kapazitätsauslastung der deutschen Stahlindustrie ist zwar mit zuletzt rund 85% nicht befriedigend, aber immer noch deutlich höher als in den meisten anderen Ländern. Angesichts der immer noch recht stabilen Nachfrage ist derzeit aber weniger der Mengenabsatz als vielmehr die Erlössituation das Problem. Während die Absatzpreise von Stahl nur um rund 20% über denen am Tiefpunkt der Rezession 2009 liegen, hat sich Eisenerz seither um rund 45%, Kohle sogar um knapp 60% verteuert. Andererseits erklärt der niedrige Stahlpreis zum Teil die schwachen Stahleinfuhren nach Deutschland. Wegen der hohen Transportkosten für Stahl lohnt es sich für Lieferanten aus Schwellenländern und auch für manche europäische Anbieter derzeit schlichtweg nicht, den deutschen Markt zu bedienen.

Prognose: Deutsche Rohstahlproduktion wird 2014 leicht steigen


Ausgehend von der aktuellen RWI-Konjunkturprognose dürfte die Nachfrage nach Stahl im Verlauf dieses Jahres nur allmählich anziehen. Da die höhere Nachfrage zunächst zum Teil aus Lagern befriedigt werden dürfte, ist für den Jahresdurch-schnitt 2013 mit einem leichten Rückgang der Rohstahlerzeugung um 1% auf 42,2 Millionen Tonnen zu rechnen.

Im kommenden Jahr dürfte der Aufschwung in Deutschland an Kraft gewinnen und die Produktion der stahlverwendenden Industrien entsprechend um 4,7% zunehmen. Die Stahlverwendung wird aber erfahrungsgemäß unterproportional dazu zunehmen. Steigende Stahlimporte durch anziehende Bauinvestitionen dürften weniger stark steigenden Stahlexporten gegenüberstehen. Der Außenhandelssaldo mit Stahl dürfte sich also verschlechtern. Die Rohstahlerzeugung wird vor diesem Hintergrund voraussichtlich nur leicht um 0,9% auf 42,6 Millionen Tonnen steigen.

Die Kapazitätsauslastung in der Stahlindustrie wird auf Grundlage dieser Prognosen nur leicht zunehmen und unter dem langfristigen Durchschnitt bleiben. Die Stahlunternehmen werden dies jedoch wohl auch zukünftig nicht in vollem Umfang auf die Beschäftigung durchschlagen lassen, sondern einen Rückgang der Produktivität hinnehmen – dies insbesondere auch vor dem Hintergrund einer demographisch bedingten Verknappung des Arbeitsangebots und den damit zunehmenden Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Für 2013 und 2014 ist daher ein nur moderater Abbau der Beschäftigung in der Stahlindustrie zu erwarten.

EU-Aktionsplan weist in die richtige Richtung


Um auf die Unterauslastung der Kapazitäten in zahlreichen EU-Ländern zu reagie-ren, hat die Europäische Kommission am 11. Juni 2013 einen Aktionsplan für die Stahlindustrie verabschiedet. Dieser adressiert zwei große Herausforderungen des Sektors: die beträchtlichen Überkapazitäten in Europa und die hohen Energiepreise. Bei den Überkapazitäten ist schwer zwischen vorübergehenden, konjunkturellen und dauerhaften, strukturellen Problemen zu unterscheiden. Die meisten EU-Länder haben das Einkommensniveau überschritten, bis zu dem der Stahlverkauf pro Kopf erfahrungsgemäß zunimmt. Dadurch sinken die erforderlichen Stahlkapazitäten. Diese strukturelle Überkapazität durch staatliche Hilfen zu erhalten, wäre kostspielig und ineffizient. Das RWI begrüßt daher, dass die EU statt Subventionen zu zahlen Wachstumsbedingungen fördern und den Strukturwandel begleiten möchte. Allerdings sind die Übergänge fließend. So hat eine Förderung von Forschung und Innovation die gleichen Wirkungen wie eine Subventionierung der Produktion, wenn Unternehmen ihre eigenen Aufwendungen gleichzeitig reduzieren.

Beim Klimaschutz verfolgt der Aktionsplan eine ganzheitliche Sicht und unterstreicht, dass Emissionen der Stahlindustrie mit Blick auf die verbundenen Industrien und den Lebenszyklus der Produkte bewertet werden müssen. Das RWI teilt diese Einschätzung und hält eine Umweltpolitik für kontraproduktiv, die jedem Sektor unabhängig von seiner Stellung in der Wertschöpfungskette beispielsweise Ziele für die CO2-Minderung vorgibt.

Weltweiter Stahlproduktion fehlt weiterhin der Schwung


Die internationale Stahlproduktion zeigt sich seit 2011 ohne klare Tendenz. Derzeit scheinen wieder Auftriebskräfte vorzuherrschen, der Anstieg ist jedoch ohne Schwung und unterliegt großen monatlichen Schwankungen. In den ersten vier Monaten dieses Jahres lag die weltweite Rohstahlerzeugung zwar um 2,2% über dem Vorjahresniveau, die Kapazitätsauslastung blieb aber mit knapp 80% im längerfristigen Vergleich gering. Dabei zeigen sich gegenläufige Tendenzen zwischen Schwellenländern und fortgeschrittenen Volkswirtschaften. So war die Stahlproduktion in den Schwellenländern zuletzt wieder aufwärtsgerichtet. Dies gilt insbesondere für China, wenngleich sich auch hier der Produktionsanstieg von 20% pro Jahr zwischen 2004 und 2007 auf knapp unter 8% zwischen 2009 und 2012 verlangsamt hat. In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist die Rohstahlerzeugung hingegen zumeist rückläufig, insbesondere in Folge der dort nach wie vor schwachen Konjunktur. Eine Ausnahme ist Japan, wo auch die Stahlindustrie von einem starken fiskalischen Stimulus profitierte.

In diesem und nächstem Jahr ist eine nur langsame Belebung der internationalen Konjunktur zu erwarten. Der Euro-Raum dürfte sich aus der Rezession lösen, der Aufschwung in den USA festigen und die Expansion in den Schwellenländern kräftig bleiben. Vor diesem Hintergrund geht das RWI von einer Zunahme der Weltrohstahlerzeugung um 1,8% in diesem Jahr aus. Im kommenden Jahr ist bei fortgesetzter Belebung der Konjunktur ein kräftigerer Anstieg um 4% zu erwarten. Gleichwohl dürfte die Kapazitätsauslastung niedrig bleiben. Auch der Druck auf die Stahlpreise dürfte vorerst anhalten, da die Preise für Rohstoffe der Stahlindustrie im längerfristigen Vergleich nach wie vor hoch sind.

Der Pressemitteilung liegt der „Stahlbericht“ aus dem aktuellen Konjunkturbericht des RWI zugrunde. Er ist als pdf-Datei frei erhältlich.
(Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V., 20.06.2013 - KSA)
 
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