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Ein Netzwerk für die nachhaltige Nutzung von Mobiltelefonen

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH

Weltweit gibt es 6,4 Milliarden registriere Mobilfunkanschlüsse bei etwa 7 Milliarden Menschen auf dem Planeten. Ein Ende des Handybooms ist vorerst nicht abzusehen. Gleichzeitig liegen Schätzungen von BITKOM zufolge allein in Deutschland 83 bis 86 Millionen gebrauchte Handys ungenutzt in den Schubladen. Diese Entwicklung ist mit einem schnell steigenden Energie- und Ressourcenverbrauch verbunden, insgesamt werden mehr als 60 verschiedene Rohstoffe in einem Mobiltelefon verwendet. Die Recyclingquote dagegen ist weltweit sehr niedrig.
Das war der Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt "Rückgabe und Nutzung gebrauchter Handys" des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) Potsdam und des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Projektleitung). Gemeinsam hatten sie im Auftrag des Bundesforschungsministeriums und im Austausch mit weiteren Partnern aus Politik, Praxis und Forschung im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2012 untersucht, wie Jugendliche Mobiltelefone nutzen. Folgende Ergebnisse und Lösungsansätze für einen nachhaltigeren Umgang mit Handys wurden auf der Abschlusskonferenz des Projekts am 22. April 2013 in Potsdam vorgestellt:

In Deutschland besitzen ca. 99 Prozent der Jugendlichen ein Handy. Die wenigsten sind über die Recyclingnotwendigkeit und -wege informiert. Selbst bei jenen, bei denen das Wissen vorhanden ist, gibt es große Vorbehalte, ihr altes Handy wegzugeben, denn viele Jugendliche bauen eine emotionale Bindung zu ihrem Mobiltelefon auf. Darüber hinaus misstrauen die Handynutzer den Recyclingwegen. Hier ist eine umfassendere und zielgruppenspezifischere Aufklärung - möglicherweise mittels Testimonials - über Möglichkeiten des Recyclings notwendig. Im Vordergrund steht dabei nicht nur das Zurückgeben des Handys an die Produzenten, sondern auch das Weitergeben des Altgerätes innerhalb der Familie. Auch ökonomische Anreize können Jugendliche zum Recycling motivieren. Diese müssten auch für Produzenten geschaffen werden. Das bedarf zum einen neuer Geschäftsmodelle und zum anderen einer politischen Initiative, um solche Geschäftsmodelle zu fördern. Möglichkeiten hierfür wären zum Beispiel Leasing.

Wenn solche Kampagnen funktionieren sollen, müssen zur Vermittlung des generellen Problembewusstseins auch die sozialen Normen angesprochen werden, um einen verantwortungsvollen Umgang mit den in Handys steckenden Rohstoffen zu bewirken.

Neben der wissenschaftlichen Erforschung des Konsumentenverhaltens wurde deshalb im Rahmen des Projektes eine Sensibilisierungs-Kampagne zur Ressourcenintensität von Handys mit praxisnahem Fokus entwickelt. So wurden beispielsweise anschauliche Lern- und Arbeitsmaterialien erstellt und eine Sammelaktion an Schulen durchgeführt. Mittlerweile nehmen deutschlandweit mehr als 1.600 Schulen an dieser "Rohstoff-Expedition" des Wissenschaftsjahres teil.

Handlungsbedarf besteht aber auch in der Wirtschaft, so ein weiteres Projektergebnis. Denn Handyrecycling ist nicht (nur) Bringschuld der Verbraucher, sondern (auch) Holschuld der Mobilfunkanbieter. Das Recyclingproblem zum Bestandteil der Unternehmensstrategie zu machen hieße beispielsweise die Einrichtung von Handytauschbörsen, Bauteilsysteme oder vorab installierte Nachhaltigkeits- und Recyclingapplikationen. Informationen über den Ressourcenverbrauch im gesamten Lebenszyklus des Mobiltelefons (ökologischer Rucksack) sollten von den Herstellern offengelegt und transparent dargestellt werden. Zusammen mit einer Aufforderung zur Rückgabe sollte das Teil der Produktinformation sein.

Besonders positiv hervorgehoben wurde die enge Verzahnung zwischen Forschung und praktischer Umsetzung. Die Teilnehmer forderten ein Netzwerk ("Allianz") aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und NGOs, um die nachhaltige Nutzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Mobiltelefonen voranzutreiben.

Die beteiligten Partner aus Politik (BMBF und BMU), Industrie (Deutsche Telekom, Vodafone, E-Plus, Telefonica, Teqport, Vere, Take-e-way, Electrocycling) sowie der Wissenschaft (IASS Potsdam, Wuppertal Institut und Leuphana) zeigten sich einig, dass ein solches Projekt langfristig und damit nachhaltig im Sinne von dauerhaft und systemisch angelegt sein müsste, um sichtbare und relevante Erfolge im Sinne einer Bewusstseins- und Verhaltensänderung vorweisen zu können.
(Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH, 24.04.2013 - KSA)
 
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